
Wir passen uns langsam immer mehr an. Zum Frühstück haben wir unser Porridge eingetauscht und essen mittlerweile alle gerne peanutbutter with jelly– immerhin auf unser gutes selbstgemachtes sourdough bread.
Der Essenwunsch der Kinder zu Weihnachten war: Hotdog! Das haben wir dann aber doch verweigert und stattdessen eine Lasagne gemacht. Immerhin gab es ice cream (aber delicious!-wie von Nora auf dem Wunschzettel gewünscht!).

Wir hatten die Weihnachtstage das Auto unserer Nachbarn und konnten etwas unseren Radius erweitern. Weihnachten am Strand! Zwar mit Skihose und kaltem Wind, aber Sonne im Gesicht. Schön war´s. Der Winter hier ist echt eine Pracht und wir haben nun auch beschlossen, unsere schulfreie Februarwoche nochmal richtig in die Berge zu fahren und Winterurlaub zu machen- anstatt mit dem Zug 1000 Kilometer gen Süden und auf Wärme zu hoffen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: diese Weite, diese unglaubliche Weite hier!
So schön mal wieder ein richtiger Winter! Kalt und nicht (nur) Matsch. Schnee und Schlittschuhlaufen auf Seen! Und nicht nur auf wässrigen Kunstbahnen am Kleinfeldchen.
Wir hatten eine (heilige) Maria und einen Engel an Weihnachten. Beide sehr ernsthaft und mit klaren Vorstellungen. Da war es auch egal, dass wir uns verschiedene Bücher angesehen hatten und darüber gesprochen haben, wie unterschiedlich Menschen sich Jesus Geburt vorstellen, wie wenig wir genau wissen… Fritzi wollte ebenso aussehen wie eine schöne, orientalische Maria in unserem Buch- so habe ich einen Abend lang Sterne aus Papier auf (meinen!) Rock und Noras Jacke genäht…die beiden passendsten Kleiderstücke. Fritzi fand sich dann zum Glück sehr schön als Maria- mit geflochtenem Zopf und ohne Kopftuch. Nora war ein etwas irdischer Engel. Ohne Firlefanz… hat aber genau alle Worte nachgesprochen- wie der Engel im Buch.
Natürlich hatten wir auch einen Josef (Elias)… ich war Hirte, König, Erzählerin. Till hat sich leider disqualifiziert und wurde kurzerhand abgesetzt und durch eine Puppe ersetzt. Aber da er einfach mittendrin saß, schien es ihn nicht weiter zu bekümmern.











Till flüstert- nachdem er das bei seinen Schwestern gesehen hat. So niedlich, wenn er einem ins Ohr keucht und zischt! Er singt richtig gern und dreht sich auf Musik im Kreis, die Hände hoch und wie mit einer Castagnette klappernd- aber selbstverständlich auf dem Po sitzend. Er kann Laufen- auch mal durch das ganze Wohnzimmer. Aber er zieht weiterhin den sicheren Poschieber vor. Auch gut.

Nun entdeckt er zumindest das Essen langsam für sich. Er beeindruckt mich, wie er den Stift hält und gerne malt. Eindeutig mit der rechten Hand. So geschickt. Ich hab Papier auf den Boden geklebt- das kann dann nicht verrutschen…auch zu dritt.
Manchmal versucht er einen anzublinzeln… kleiner Flirter! Zwinker. Zwinker. Augen zu (kneifen)…Augen auf. Vorgestern ist er uns kopfüber vom Sofa geplumpst (auf den Tag genau drei Jahre nach Fritzis Laufradsturz). Keine Platzwunde- aber eine Beule, wie ich sie noch nicht gesehen hab! Ein Tischtennisball, der sich dann aber nach zwei Stunden zurückgebildet hat! Und auch kein besonders aufgelöstes Kind. Er steckt schon ganz gut ein… teilt aber auch aus. So balgen sich hier die Kids immer körperlicher! (ich halte das nicht so gut aus).

Fritzi verliert gerade wöchentlich weitere Milchzähne, die sie sich mutig selbst rausdreht… die neuen Zähne drücken und verschieben den Kiefer…brechen aber noch nicht durch. Gerade ist ihr das Lächeln fast peinlich und ich darf kein Foto im Blog posten. Klare Ansage. Stolz ist sie trotzdem! Sie schreibt uns lustige Botschaften und mag Schreiben… oft spiegelverkehrte Buchstaben und lustige Deutsch-englische Vermischungen. Lesen findet sie allerdings doof. Die Konzentration ist nicht so da und ich bin sehr dankbar um die Tatsache, dass sie einfach im Sommer nochmal in die erste Klasse gehen kann und wir hier keinen Druck machen müssen. Sie ist ein Schulkind und dann eben doch auch noch nicht. Und es fliegt ihr nicht zu. Gemeinerweise fängt Nora an ein Interesse an Zahlen und Buchstaben zu haben und abzuschreiben… so ist das mit jüngeren Geschwistern!
Nora ist und bleibt unsere Sinnliche. Auch Empfindliche und Explosive… wenn ihr versteht was ich damit meine. Nicht? Dann das als Beispiel:

Neujahrsspaziergang. Elias und sie entdecken einen tollen Kletter-Ausguck-Baumstumpf. So stolz und schön steht sie oben! Schließt die Augen… ist frei und fröhlich. Aber als Fritzi auch mal will… wird sie von einem wütenden Zwerg daran gehindert. Der liegt dann brüllend im Schnee, lässt sich fallen (boneless– sagen die hier und das trifft es ganz gut!)…
Handschuhe trägt das Kind sowieso keine- hat aber immer warme Hände!
Es geht so viel in ihrem Kopf vor. Beim abendlichen Vorlesen wird plötzlich ganz viel nachgefragt. Ich wundere mich, dass sie eben doch noch nicht alle deutschen Worte kennt und sich auch dieser Wortschatz kontinuierlich noch erweitert. Aber nun entlarvt sie die unbekannten Worte und will sie genau verstehen. „Lautlos“ ist eines der Lieblingswörter. Das bedeutet nämlich gerade nicht laut und ist irgendwie noch stiller als still. Die drei weisen Männer die das Christkind besuchen sind kluge Männer (und nicht weiß)… Und dass sich der Indianervater im Buch hinter einer Eiche versteckt… und eine Eiche keine Eichel ist…musste auch aufgelöst werden. Wie macht er das, dass er sich so klitzeklein macht?

Eine Nacht zwischen den Jahren haben wir in Hanover (etwa 200 Meilen gen Norden) verbracht. Ein schönes Unistädtchen- gerade aber wie ausgestorben. Das war ein gemeinsames Weihnachtsgeschenk an uns selbst und das Wetter so schön! Das Hotel musste einen Pool haben- sonst wären wir von zwei jungen Damen bestreikt worden. Drunter geht nix mehr. Im Hotel haben wir auch mal wieder „echte Amerikaner“ gesehen. Nicht nur die netten und so bedachten Menschen aus Cambridge (die fast manchmal langweilig sind). Aber im Hotel konnten wir Familien im Foyer bestaunen, die Füße auf den Sofatischen, mit mehr technischen Geräten um sich, als Familienmitgliedern. Chips und anderes Essen in großen Plastiktüten… Aus dem Pool sind die Mädchen am Morgen auch vor zwei (gleichaltrigen) Raudies geflohen… die Eltern der Herren mit Straßenschuhen und reichlich Gedöns am Pool…einfach sehr raumeinnehmend.
Klar, das gibt es alles auch bei uns.








Aber die Wanderung auf den Berg, vorbei an gefrorenen Bächen hat mich versöhnt. Und tatsächlich haben wir Bärenspuren gesichtet. So glaube ich zumindest. Uhhh wuhhh! Danach war ich ganz froh, um laute Kinder und nörgelnde Laufverweigerer, jauchzende Schneespringer… so waren wir zumindest nicht zu überhören!
Wir haben uns mutig etwa zwei Meter auf einen riesigen See hinaus gewagt… (da lag das Eis auch sehr deutlich am Strand noch auf)… dann kam ein Mann mit einer Axt über der Schulter, grüßt uns kurz und marschiert an uns vorbei, raus auf den See! Immer der Eisgrenze entgegen. Hackt ab und an auf das Eis ein. Fünf feste Hiebe… das Eis spritzt… er geht weiter. Er sieht aus, als wüsste er, was er tut. Aber er nähert sich der Eisgrenze etwa 200 m vor uns… also echt weit da draußen. Ich ziehe im Geiste schon Latten aus dem Zaun am Ufer um ihn zu retten… er hackt erneut… ist mini klein, so weit weg.
Da kommt er zurück und ist (oh Wunder) nicht eingebrochen. Daraufhin wagen wir uns auch mutige 10 Meter vor und schlittern, drehen uns und rutschen über den See!




Schön so ein zugefrorener See! Es gab ja auch gebrauchte Hockeyskates für Fritzi (und neue für Elias) zu Weihnachten.
Ansonsten haben wir uns an Weihnachten über einen Kinogutschein (natürlich mit Popcorn und Saft/Bier) gefreut, auch über coolen Schleim (der keinen richtigen Gesetzen über Flüssigkeit und Festigkeit folgen will) und Knete. Über einen Igel allerdings haben wir uns geärgert. Der sollte Kristallstacheln wachsen lassen… hat er auch, war aber alles nix für Kinder und hochgiftig.
Die Puzzle haben wir wiederentdeckt und sind im Fieber… gerade wir Eltern! Papa, kannst du bitte mal aufhören und mir helfen? …mhm…. Papa?…mh… Mama, der Tilli will auf deinen Arm.. ja, gleich… noch ein Stein… Papa??













Sylvester werden hier keine Knaller verkauft! Können wir das nicht auch übernehmen???? Wir machen doch jeden Sch** aus den USA nach… das wär auch in Deutschland eine Wonne… Keine Ballerei in den Straßen, kein Müll… Tiere, Menschen nicht verschreckt …ich habe es wirklich sehr genossen! Bzw. gab es ja ein Feuerwerk. Aber eben nur eines und schon um 19.00Uhr- also auch für alle Kinder! Und das dann richtig schön und groß, gute Komposition mit so schönem Goldregen! Nora stand mit offenem Mund da. Fritzi und Till haben sich etwas gefürchtet. Wir sind extra nach Boston rübergefahren. Zum Feuerwerk gab es auch eine bunte Parade… erfrischend harmlos und unorganisiert (Feuerwehr, rotes Kreuz und n paar Mottogruppen/ Aktivisten), dazu ein paar Eisskulpturen in der Stadt und ne Ice-skating show…was will man mehr? Der Park war rums voll!











Vorher und Nachher haben wir bei uns in der Wohnung gefeiert. Mit Nachbarn und Freunden- der gleichen Truppe wie an Thanksgiving… Jeder hatte die Aufgabe ein (verborgenes) Talent vorzuführen (ein Zaubertrick, ein Purzelbaum, Origami, in Chinesisch schreiben…whatever!) das war ein nettes Beisammensein.

Wir haben Pizza gegessen und alle Gäste schätzen lassen:
How many beans/corns/rice are in the glasses?
Ihr dürft auch mal einen Tipp abgeben!

Wir hatten vormittags tatsächlich brav abgezählt und so für die aufgeregten Kinder eine gute Beschäftigung. Nachdem sie erst alle Fenster geputzt hatten- sehr hilfreich, wie ihr euch vorstellen könnt! Morgen muss ich wohl nochmal ran.




New Year resolution? Wieder Sport machen- natürlich. Mehr in der Gegenwart sein – ohne Stress. Vor allem aber: genauso glücklich bleiben!!! Am besten für das ganze nächste Jahrzehnt!!!!!
Happy New Year!!!
Judith