Ja unser Till ist eins! Der Geburtstag selbst eine kleine Zeitreise für mich… so wie bei jedem ersten Geburtstag. Zum Auspacken gabs ein Buch vom Kindergarten-Flohmarkt und ein Paket von der Oma- welch timing! Und natürlich Geburtstagskuchen vom Papa und die Schwestern hatten ordentlich die Wohnung geschmückt.

Till tuju (to you)
Till hat das schönste Schulterzucken der Welt. Beide Händchen nach oben. Was weiß ich´s? Mit seinen 7 Zähnen einfach zum Anbeißen.
Der lang ausgestreckte Zeigefinger an seiner Hand kann spitz auf alles zeigen, uns dirigieren oder nein-nein-nein vor seinem Gesicht fliegen. Fingerspiele beginnen nun Spaß zu machen.
Er liebt es, Wasser aus dem Glas zu trinken, lässt es leider so manches Mal einfach wieder aus dem offenen Mund laufen… weh all den vielen, nassen Bodys und dem lästigen Umziehen! Till beginnt genussvoll mit uns am Tisch zu essen, doch sobald er satt ist oder er etwas nicht mag, bekommt man es in hohem Bogen um die Ohren gepfeffert. Dies führt zu Kicher- und Anfeuerrufen, bis Weilen auch zu Nachahmungsverhalten- besonders bei Norali. So krabble ich nach dem gemeinsamen Essen unterm TripTrap und sammle das Angebotene wieder auf, finde das Essen von Vorgestern.
Till ist weiterhin ein so friedliches Gemüt. Er ist immer dabei, oft auf meinem Rücken… ansonsten zwischen allen Beinen, zupft mich am Hosenbein, beide Ärmchen in die Luft…Was nun?
Er wird immer schneller und manchmal fliegt er schier wie ein Hochspringer über seinen Arm, wenn er sich auf seinem Po durch die Wohnung hechtet. Immer öfter wird er eine richtige Schwesternplage… „ohhh Tilli! Mama nimm den Till weg!“ ertönt es…und dann schleppt ihn eine der beiden kurzerhand mir vor die Füße. Unter den Achseln gepackt, stapft er mit seinen wackligen Beinen fast zufrieden dahin.
In der Küche hat er einen Lieblingsschrank, den er konsequent ausräumt: Bügeleisen, Mixer und großen Tupperdosen…
Technikfaszination? Auch die ersten Wutanfälle gibt es bei technischen Geräten… wer von uns darf mein Handy halten? Da lacht er all seinen Geburtstagsfilmen entgegen (danke!!), klatscht, quietscht und hüpft vor Freude, nimmt das Telefon in den Mund, wischt und drückt und ärgert sich dann, wenn der Film anhält. Aber wehe dem, der ihm anschließend das ganze Telefon zu entwinden versucht.
Till ist unser erstes Kind, welches sich vor Wut nach hinten fallen lässt, da es die Zahnbürste wieder abgeben muss… aber eben auch das erste Kind, welches sich mit gerade einem Jahr einen eigenen Aufsatz für die elektrische Zahnbürste erarbeitet hat und damit begeistert seinen oralen Genüssen nachgeht.
Orale Genüsse und Technik. Da muss ich euch unser erstes selbstgebackenes Brot präsentieren. Und das kam so: Mit neuem Kochbuch, Schmortopf, gigantischer Tupperdose, Waage, Thermometer, Brotkörbchen (den braucht man zum gehen lassen) und Roggenmehl aus unserer Gemüsekiste (für nur mal eben 8$!) hat Elias sein Brot-Projekt gestartet. Nach fast zwei Monaten Toastbrot, vielen Enttäuschungen und all den benötigten Internetbestellungen konnte es losgehen.
Und wenn der Kerl was macht, dann eben richtig. Nicht einfach Sauerteigstarter bestellen oder bei einer der anderen deutschen Familien den Sauerteig erfragen??? (das tun Jungs nicht so gern…) …nein… wir haben unseren Sauerteig selbst gezogen… vier Tage jeden Abend liebevoll gefüttert… mit Roggenmehl und Wasser bei exakter Temperatur… der Herd durchgehend blockiert… denn Fachmenschen unter uns wissen: nur hier erreicht man die gleichbleibende Wunschtemperatur. Geschützter Raum eben! In unserem Fall mit Lampe an… (die wärmt) und Handschuh in der Tür (für etwas Kühlung). Und voilà … sieht es nicht lecker aus? Und es schmeckt…mhhhh! Bravo Meisterkoch!
Und gleich danach auch noch Pide für unser Straßenfest und Pizza für den Kindergarten gebacken!





Hinter uns liegt ein schönes Wochenende auf Cape Cod. Richtig neu und ungewohnt scheint dem europäischem Auge die Landschaft zunächst nicht. Das was aber besonders ist, alles so nah vereint zu finden. Der erste Strand erinnert an die Dünen der Ostsee, vielleicht etwas größer und die Dünen begehbar. Laden sie gleich zu Weitsprung und Wettrennen ein. Etwas weiter südlich denke ich plötzlich an den wilden Atlantik in Frankreich. Robben schwimmen in den Wellen und die Kinder bauen ein Krebsmuseum, der Wind lässt meine Ohren rauschen. Die westliche Innenseite der Halbinsel erinnert mich dann an das Nordseewatt. Wir stapfen durch Schlamm … bis wir plötzlich auf einer Insel stehen… die Flut kommt zurück. Durch den italienischen Toskana Pinienwald dann wieder auf der anderen Seite von Cape Cod wilde Felder, dazwischen Felsen, bunter Märchenwald und ein schöner Naturstrand… so sah es doch in Schweden aus? Und überall sind wir fast allein (klar, Nachsaison, aber trotzdem!). Dieses Land hat ein Reichtum an Schönheit und Weite. Der blaue, klare Himmel dazu. Es ist wunderbar und ich denke plötzlich an das kleine enge Wiesbaden, das dichtbesiedelte Rhein-Main Gebiet… überhaupt an das volle Europa. Komisch, wie sich der Blick auf die Heimat in der Fremde verwandelt. Was hab ich fast körperlich diese Weite und den klaren Himmel vermisst. Hier ist einfach alles so leer, so großzügig, so groß. Auch die Gedanken.

























Die Kinder waren etwas weniger vom Naturschauspiel ergriffen, sondern fanden den Pool an unserem Motel das Größte! Und dass wir anschließend auf unserem Fußboden Burger und Pommes gegessen haben! Eben ein anderes Verständnis vom freien Amerika!









Es geht uns wirklich gut. Auch wenn wir nicht gerade Urlaub machen. Auch der Alltag ist schön. Die Kinder gehen gerne in Schule und den Kindergarten und wir sind mal wieder mitten im Leben angekommen und dabei solziale Banden am knüpfen.
Wir grüßen euch alle in der Heimat.
Bleibt gesund oder werdet es!
Judith