



















Und wir können ihn jetzt genießen. Die bunten Wälder
verzaubern und schöne Wochenendausflüge liegen hinter uns. Aber auch im Alltag
läuft alles rund. Fritzi läuft nun plappernd und bereitwillig in die Schule.
Umwege findet sie immer noch gut, aber das ist eben ihre exklusive Papa-Zeit.
Aber sie geht nun richtig gern und mittlerweile fließen- oft ohne es selbst zu
merken- englische Worte ein. Beneidenswert!
So richtig die eine Freundin hat sie dort nicht, aber wie soll das auch ohne
gemeinsame Sprache gehen? Mit sechs ist eben Sprache wichtiger, als bei den Jüngeren
im Kindergarten, die manchmal eher nebeneinander spielen. Fritzi beobachtet
einfach und macht mit, bewundert die beiden Jungs an ihrem Tisch. Und als Elias
ihr nach dem Elternabend berichtet hat, dass Kai (aus Japan) wohl zu Hause viel
von ihr spricht, war ein stolzes Lächeln angeknipst.
Die Morgenbilder zum Ausmalen zeichnen wir nun abwechselnd: Salome- Elias und ich… Fritzi macht Häkchen auf ihrer selbst geschriebenen Wochenliste und es geht weniger um die morgendliche Ablenkung, als um die Organisation und Koordination von uns!

Ja, Salome ist da und das ist sehr schön. Ich lerne, dass man Essen fotografieren kann und dass das Leben „nice“ ist. Die Mädchen bewundern die Schminktricks und dürfen staunend und bewundernd neben dem Spiegel stehen. Überhaupt bin ich ganz schön abgeschrieben und darf nur noch mit Glück mal Zöpfe flechten oder ihnen helfen…

Schön, dass Salome mit so staunenden Augen und voller Begeisterung neben mir durch die Straßen zieht und sich an allem erfreut, was sie aus Filmen kennt und nun im echten Amerika wiederentdeckt. Ich merke schon jetzt, an was ich mich schon alles gewöhnt habe und was Alltag und Normalität geworden ist. Zum shopping ist sie lieber ohne mich aufgebrochen 😉
Die drei Mädels wollten backen, nachdem wir hier ein einem der unzähligen Schränke Ausstecherle gefunden hatten? Hätt ich meine vier gar nicht aus Deutschland mitnehmen müssen… Auf der anderen Seite… seht selbst. Ein kleines Sinnbild der Kulturen ?




Unser Leben ist hier übrigens voller lustiger Abkürzungen… die auch ständig geschrieben oder als Gruppenzugehörigkeit im Gespräch oder in Emails auftauchen. Nora besucht die CNS, Fritzi dagegen die GPS. Es gibt in der GPS die besonderen SEI -Klassen… Meinen Englischkurs SEL machen ich an der CCAE und Elias geht täglich ins CES…??? Alles klar? Ihr könnt ja mal raten!
Freitag waren wir in Boston auf dem großen clima strike…
keine zwei Wochen in der Schule und schon streiken. Etwa 7000 Menschen mit uns.
Immerhin. Und es war ein beeindruckend buntes Bild. So viel Chöre und Schilder.
Und das über Stunden.
Fritzi musste nun zweimal schon weinen, da sie sich Sorgen um die „brennende
Welt macht und ob noch die Feuerwehr kommen kann“ …und das hat sie nur von
einem Schild, so hab ich ihr das sicher nicht erklärt! Ob wir bald alle sterben…
Auch hier wieder eine Gradwanderung zwischen Aufklären, Erklären, Bedrohung
benennen und doch nicht sie bedrohen. Eher Mut zum Verändern, zum Handeln, zum
Gemeinsam JETZT Handeln machen!
Gestern ist sie über die Felder und durch den Wald gesprungen und hat immer
gerufen „ich genieße die Natur“…Kleine Ronja.
Ja, ein Thema, das uns einfach alle umtreibt. Und immer noch so wenig Taten hervorbringt.










































Wir wohnen hier in der BVP (wieder eine Abkürzung!) und mit den 11BVP-guys haben wir uns gestern zum Abendessen getroffen. Ein Kennlern-Willkommen-Haus-Essen bei uns in der Wohnung. Das wollen wir hier vielleicht etwas etablieren. Wie immer hab ich zu viel gegessen und war zerrissen zwischen den Bedürfnissen der Kinder und dem Wunsch: Kennen zu lernen und in Kontakt mit unseren Mitbewohnern zu kommen. Anders als beim blü17 (ha!) Freitagessen, wurde alles Mitgebrachte irgendwo gekauft , bestellt und in großen Plastikschalen auf unseren Tisch gestellt. Aber lecker war´s! Und nett sind unsere Nachbarn!
Über uns wohnt ein sehr ruhiges und zurückhaltendes Paar. Da wir zum Waschen immer in ihre Wohnung müssen und auch gemeinsam für Strom und Gas abgelesen werden, haben wir etwas mehr Kontakt. Irene ist Bibliothekarin an der Uni und Yajun ist an der Uni Teacher für Geschichte… sie ist Chinesin und seit fünf Jahren in den Staaten. Sie sind kurz vor uns eingezogen. Beide eher schüchtern und nicht in der überschwänglichen Art, die hier sonst den Landsleuten zugeschrieben wird. Unser gemeinsamer Vermieter ist John. Ob er mal beide Wohnungen als eine genutzt hat?? John ist nun aber in Austin (Texas) und nicht so recht greifbar.
Unter uns wohnt Tom, der klassisch amerikanische, fröhliche und laute PoWi-Professor. Offen, herzlich und unkompliziert. Endlich ein erfülltes Klischee. Er hat das Haus gemeinsam mit John gekauft. Seine Frau Ying ist auch Chinesin- allerdings gut ans amerikanische Wesen angepasst… hier kommen die fröhlich lauten „he is so cute“ Rufe zu uns, wenn Till sich aus der Manduca zu einem Lächeln oder Winken hinreißen lässt. Sie haben die vierjährige Aria, die hier schon manchmal zum Spielen war.
Aria war es auch, die uns schon verraten hat, dass wir wohl die noisy neighbors sind. Zu Nora: „my daddy said that you can shout outside, but inside you have to be quiet“ …oho. … und das, wo ich mir so Mühe gebe, bei Streit Fenster schließe, kein Lego direkt auf dem Holzboden erlaube etc… aber dieses Haus ist einfach meeegaaa hellhörig! Wir hören die beiden über uns laufen… und vermutlich schleichen sie. Und von unten hören wir das Radio und können einzelne Worte verstehen. Tja, das ist der erste Nebeneffekt der schönen Holzbauten… gedämmt in keine Richtung. Wie das im wohl Winter wird?!
Nächsten Sonntag soll es hier ein Straßenfest geben… jeder bringt was mit… die ganze neighborhood ist eingeladen und unsere Straße sperren sie einfach eigenständig! Ich freu mich drauf. Davor noch der Flohmarkt vom Kindergarten. Mit Diensten und Essensbeitrag… jetzt schon Plakate verteilern etc… ja, sie machen uns das Ankommen einfach!
Appropo Straße, da fällt mir eine kleine Abschlussgeschichte ein:
Lustig, wenn man in Wiesbaden quasi Nachbarin der Kehrmaschinen ist… jeden Morgen aus dem Nachbarblock die kleinen, lauten Maschinen wie Bienen ausgeschwärmen, uns wecken und auf dem Weg in den Kindergarten täglich begegneten… anders hier: Hier wird monatlich jede Straßenseite einmal gefegt… aber das mit einem großen Aufwand… mit Lautsprecherwagen vorab angekündigt (das erste mal dachten wir, wir werden evakuiert !!!???)… Abschleppdienst gibt’s inklusive. Erst dann nähert sich der Riesentruck der leergeräumten Straße.
Die Häuser werden hier nicht eingerüstet. Ob das an den Gärten liegt? Statt dessen stehen die Schleifer und Streicher in schwindelerregender Höhe auf Leitern… manchmal fünf nebeneinander… mit den Schleifmaschinen in der Hand. Ob das nach Arbeitsschutzgesetzt erlaubt ist? Ob es ein solches hier gibt?
Wir freuen uns aber darüber, dass gerade auch das Nachbarhaus dran ist… noch besser, dass unser Sofa so praktisch am Fenster steht! Der Fanclub!







