Wetter wechselhaft
Stimmung wechselhaft
Ob das zusammenhängt?
Unser Wochenstart war hart. Die Morgen voller Tränen und Wut über die blöden Eltern, die einen einfach irgendwo hinbringen, wo man gar nicht hin will. Mit Fritzi wirklich bis zum körperlichen Kampf. Anziehen- ausziehen, sich verstecken, festkrallen, einfach fallen lassen… heulen und schreien… je wütender sie wurde, desto trotziger und klarer wurde Elias. Aber wirklich für alle hart. Ich hatte dann den drop-off mit Nora zu meistern. Montags doch eine jämmerlich weinende und schluchzende Nora abgegeben. Alle 10 Minuten dann von der Leitung per Telefon informiert… ein Ringen um die Entscheidung sie abzuholen oder es schaffen zu lassen… dann die Nachricht: she is fine!
Und mittags beide so, so stolz.
Seither geht es jeden Tag besser. Fritzi ärgert sich noch darüber, dass Nora früher abgeholt wird als sie und hat morgens noch Krankheitssymtome. Ich erzähl ihr von all den Schulangstgeplagten in unserer Familie und meinen eigenen Erfahrungen… Manchmal hilft das …manchmal lässt es aber auch Symptome wachsen… also eine Gradwanderung. Sie sind so schlau und ich kann auf Aussagen wie: „Mama, mir geht es wirklich schlecht. Wenn man krank ist, muss man nicht gehen- ich weiß das. Das sind keine Angstbauchweh… und das ist ja wohl mein Körper und nur ich kann das spüren“ … nichts Schlaues erwidern.
Mutmachen und wenigstes „bis zu Pause mal versuchen“ „ich hol dich jederzeit ab“…
Himmel, wie hilflos und übergriffig ich mich gleichermaßen fühle.
Die Nachmittage haben wir aber stolze Kinder, fröhlich und voll Freude von der Schule und vom Kindergarten berichtend…. Nora: „weißt du Mama, die Ältere- wie heißt die nochmal…“ „Nancy“ „..also die Nancy, die kann voll gut trösten. Ich steck meine Nase dann ganz tief an ihren Hals und sie schaukelt mich dann hin und her“ etwas später „… und weißt du was? Die Ältere- wie heißt die nochmal..“ „ Nancy“ „…also die Nancy hilft mir immer. In Wiesbaden sagen alle immer nur gleich und warte mal… das find ich voll blöd.“ Gestern war ein Musiker mit Gitarre (Nora sagt Zigarre) da und sie haben alle getanzt… heute ist Yoga.
Also wirklich tolle Angebote. Eben eine teure Elterninitiative. Täglich bekommen wir gerade mind. zwei E-mails…aus den Einrichtungen. Der Herbstflohmarkt steht an (zur Unterstützung der Kita- also alles Spenden), Spiel- und Kennlernnachmittage organisiert, Evakuierungs-Notfall-Haushalte gefunden etc.
Von Fritzis Lehrerin haben wir dienstags ne Mail bekommen. Mit vielen Gedanken zu ihr und der Frage, wie wir ihr gemeinsam die Übergaben erleichtern können und auch nochmal der Bestätigung, dass der Rest vom Tag ein fröhliches und kicherndes… etwas braves Fritzimädchen in der Klasse sitzt, We are so happy to have her as a part of our class!.
Manchmal hatte eine der Lehrerinnen morgens mit ihr einen kleinen Schulhaus-spaziergang gemacht… Was könnte sonst helfen? Seither male ich abends kleine Auftragsbilder für Fritzi, die sie dann in der Ankommzeit ausmalt… daraus machen wir dann ein Buch! Ich hatte eher an Schmetterling, Blumen oder Mandalas gedacht… werde aber zu Brautpaar unter einem Blumenbogen etc verpflichtet! Was man nicht alles tut! Heute ist Fräulein Fri ganz munter mit Elias losmarschiert… sie machen nun immer einen kleinen Umweg und haben mehr Zeit zum Quatschen.
Wir entwickeln also Strategien.
Mich beeindruckt wirklich das Schulsystem und auch die engagierte KiTa. Das sind wir in dem Maße nicht gewohnt… auch wenn wir viel Glück mit all unseren Erzieherinnen in Dtl. hatten. Vielleicht ist es auch die amerikanische Art? Aber es wirkt. Zumindest bei mir. Beim Elternabend in Noras Kindergarten berichten Nancy und Candice einfach so fröhlich von sich selbst und überbieten sich darin, zu erklären wie gern sie mit den Kindern und gegenseitig miteinander arbeiten. Dass der Kindergarten auch für sie ein ganz besonderer Ort sei… und in jedem Elternkontakt, erklären uns alle gleichermaßen, wie toll die Mädchen das gemacht haben, wie fröhlich sie waren „she had a really great morning“. Einfach sehr bezogen. Und da geht es mir nicht um die Anrufe, die ich bekomme (und eigentlich nicht brauche), dass Nora nun fröhlich mit breitem Lächeln Weitsprung übt und sich die schlechte Morgenstimmung verflüchtigt hat. Fritzis Schule schreibt Briefe und instruiert uns Eltern als Coach. Wie können wir alle gemeinsam unsere Kinder bestmöglich begleiten… Wer hat hier welche Rollen? Was übernimmt die Schule?
Heute Nachmittag mit zwei Mitschülerinnen eine erstes Playdate auf dem Spielplatz.
Unser soziales Leben beginnt! Die Woche waren wir jeden Tag verabredet… wobei Fee und Hedda (Matthias musste für drei Wochen zurück nach Dtl.) unsere Lieblingszeitvertreiber sind… Da können wir auch etwas unterstützen.
Till ist am Zahnen und recht verschmust. So hab ich ihn eigentlich ständig an mir… wenn er nicht gerade Noras Legohaus zerstört…uh lala.. da beginnen die ersten Wutanfälle- auf beiden Seiten . Und echte geschwisterliche Konkurrenzen. Ansonsten wird er (trotz wiederholter Verbote…aber mir hört ja keiner zu!) von beiden Schwestern halb stehend, laufend…durch die Wohnung getragen.. Alle haben daran Spaß. Außer mir. So guck ich einfach weg.
Heute scheint die Sonne und ich bin auch ich wieder besser drauf. Gestern hatte ich n Tief. Lagerkoller… Nur Wohnung… Kindergarten… Schule… alle Zeiten dazwischen immer so kurz, dass wenig anzufangen ist. Dann den schweren, jammerigen Till unterbrochen am Bein… Dazu Regen! Der Wunsch endlich mal englisch zu machen und die Frustration nicht dazu zu kommen. Kleine Freuden: ich hab den Fenstermechanismus geknackt und kann Fensterputzen (Ist das nun mein Höhepunkt des Morgens?).
Elias hatte die Woche viel Nachmittags- und Abendtermine, Führungen, Verabschiedung von Professoren … schwärmt von der akademischen Luft und den guten intellektuellen Inputs auch aus anderen Disziplinen… in der Pause gehen alle Wissenschaftler gemeinsam zum hippen foodtruck… ahhh Neid!
Das ändert sich hoffentlich (also der Neid) und ab nächster Woche beginnt mein „Ausbruch“- Zwei Abende ein Englisch-Kurs… Und außerdem kommt Montag Salome- Elias 18jährige Nichte, die im Sommer ihr Abi gemacht hat und bei uns für zwei Monate wohnen wird. Salome wird etwas reisen und von hier aus die Freiheit schnuppern… und kann auch mal eines der Mädchen abholen und mit mir in nem Coffeeshop abhängen.
Gestern eine Welcome- Veranstaltung von Elias Department, zu der wir auch durften. Die Kinder enttäuscht, dass es auf der Party keine Musik gab und nur komisches Essen.. (schickes Buffet und kleine Happen)… also schnell zu Hause noch Kartoffelbrei und Spiegeleier gemacht! Immerhin kennen wir nun das Arbeitszimmer unterm Dach! Und ich habe nun die Visitenkarte einer Grand-Dame… einer Alumni, die sich wohl berufen fühlt die „Anhänge“ der Wissenschaftler zu betreuen und mit mir englisch lernen möchte und gleichzeitig ihr exzellentes Deutsch erproben will. Gelernt hat sie es ´63 in Frankfurt und Allensbach und dann ´82 in Ostberlin…jedesmal als Soziologin zur Forschung dort, also eine echte Zeitzeugin und feine Dame.
Mit Nora hatte ich heut Morgen eine schöne Unterhaltung auf der Toilette. Ich lass euch teilhaben:
N: gut, dass ich noch hier Kacka mache, im Kindergarten stinkt es sonst alles voll.
J: Das stimmt. Aber es ist auch ganz normal. Alle müssen schließlich Kacka machen. Alle Menschen und Tiere. Sogar Prinzessinnen.
N: Auch der Liebe Gott?
J: ???
J: Ich weiß nicht, ob der auch Kacka machen muss. Ich weiß ja noch nicht mal, ob es den gibt? Manche wünschen sich das sehr. Dass jemand auf uns alle aufpasst.
N: Ich wünsch mir das auch. Aber die Feuerwehr passt auch auf alle auf.
Wo wohnt der Liebe Gott?
J: Das weiß keiner… wenn es ihn denn überhaupt gibt …(neuer Versuch)
N: Doch den gibt es. Ich glaub, der wohnt bei der Dinogruppe um die Ecke.
J: Spannend. Hast du ihn denn mal gesehen?
N: Der ist doch schon gestorben. Da in der Kirche.
Sitzung beendet. Wir gehen in den Kindergarten.