…und das ist gut so. Nach zweieinhalb Wochen zu fünft und mit der ganzen Ungewissheit vor uns, ist es nun gut, sich endlich den Herausforderungen zu stellen. Als erstes hat Fritzi letzte Woche begonnen.
Und sie macht das richtig gut. Tapfer und stolz zieht sie mit ihrem überdimensioniertem, pinken (Billig-)Rucksack los… auf dem Fahrrad, in Begleitung von Elias.

Auf den letzten Metern hat sie bisher dann leider jeden Tag der Mut verlassen. Die Abschiede sind noch tränenreich. Zum Glück ist der Rucksack mit „Noras Tränentuch“ und einem kleinen Pandabären ausgestattet. „Heute hab ich beides ganz naß geschluchzt“- erzählt sie fast stolz. Oh weh, da zieht sich einer Mama der Bauch zusammen.
Selbst Elias musste (nach!) den Abschieden weinen. Die Kinder sammeln sich in der Cafeteria und dürfen dann ab dem ersten Gong ins Klassenzimmer. Die Schule war bisher auch für mich noch kein Herzöffner. Ich bin erstaunt über das Chaos, die kaputten Wände und Decken, die vollgestopften Klassenzimmer- auch hier viel Plastik… es kommt mir etwas versifft vor. Gleichzeitig hat die Schule einen tollen Ruf, die Lehrer sind alle sehr freundlich. Jeden Morgen steht der Direktor vor der Tür und begrüßt persönlich die Kinder. Auch Fritzis Lehrerinnen sind sehr nett. Im Elternbrief mit Foto hat sich die Hauptlehrerin bei uns vorgestellt: gerade von der Uni… mit ihren blonden Haaren und im schönsten Sommerkleid hat sie sich zumindest Fritzi gleich als Anbeterin gesichert…Und so muss es ja sein! Wer liebte nicht seine Grundschullehrerin? Wir nenne sie Miss Kellie.
Nach der Schule ist Fritzi ausgelassen, stolz und erleichtert und natürlich erschöpft. Fröhlich und (willens-)stark ist sie ebenfalls und so zweifle ich nicht wirklich daran, dass sie die nächsten Wochen schafft. Sie geht hoffentlich gestärkt und nicht gebrochen aus der Erfahrung.

Die Tage sind ja auch einfach lang. Immer wieder zwischendurch am Nachmittag berichtet sie Details und kichert, wenn wir dann sagen „Hä, Fritzi, wie konntest du das denn verstehen? Das haben die doch alles auf Englisch erklärt“. Dann wächst die stolz um drei cm! „Ich hab das dann einfach gemacht, wie die anderen“.
Und doch ist es erstaunlich, wie das Lernen funktioniert.
Alle elf Kinder bei Friederike sind ja in dieser Klasse gelandet ohne jegliche
gemeinsame Sprache – keines kann englisch. Und das ist zunächst auch alles, was
uns verbindet. Ein europäischer Junge aus Polen. Ansonsten sind uns auch die
Kulturen erstmal fremder… Viele arabische, russische, asiatische und zwei
afrikanische Jungs. Überhaupt acht Jungs von den Elfen… Beim Abholen kam ich
bisher nur schwer mit Eltern in Blickkontakt, geschweige denn in einen netten
Austausch. Eine große Unsicherheit ist spürbar.
Da ist uns die homogene Elternschaft in der Elterninitiative für Nora sicher
zunächst näher und der erste Kontakt leichter. Vorgestern bei der
Willkommensfeier, schnell nette Gespräche und ein Austausch über die Kinder und
Berufe etc. möglich. In den Kindergarten kommt man eben nur durch viel
Engagement rein… Letztlich hat beides seine Vorteile… ich freu mich auch auf
die kulturelle Vielfalt bei Fritzi und gebe dem ganzen Zeit… aber der Ort
erscheint mir eben selbst noch fremd.
Spannend ist, dass beide Kinder nach unterschiedlichen Modellen englisch lernen
werden. Fritzi eben ausschließlich von ihren Lehrerinnen und weniger von den
Mitschülern. Ob sie nach einer gewissen Zeit mit den anderen Erstklässlern beim
Sport oder so zusammenkommen? We will see.
Nora dagegen wird ja nur von englisch sprechenden Kindern umgeben sein und wohl
von und mit diesen lernen.





Nora hatte gestern ihren ersten Tag. Auch sie hätte ihr „Tränentuch“ gebraucht- aber es steckte ja in Fritzis Rucksack. Dafür war ich noch dabei und sie ist mir nicht von der Seite gewichen. Einen Trennungsversuch hat sie mit jämmerlichem Schluchzen beendet. Ab Montag dann muss sie auch alleine hin. Mein Kopf weiß, es ist eine ganz tolle Einrichtung. Ihre Erzieherinnen sind wirklich super nett, hinreißend motiviert, spürend und verständnisvoll, professionell. Und dennoch ist es ja meine Ur-Aufgabe als Mutter mein Kind zu beschützen… und wenn sie dann so weint, ist das einfach furchtbar.
Aber im Bericht an Elias hat sie gesagt, dass sie es cool fand und was es dort alles für Spielsachen gibt. In der Nachbargruppe gibt es einen Jungen, der deutsch kann… mit dem hat sie sich dann im Garten etwas angefreundet.
Auch Elias hatte seine Einführungsveranstaltung und hat eine
Zuckertüte zum Arbeitsbeginn bekommen… Zum Glück teilt er seine Süßigkeiten mit
mir.
Nora und Fritzi haben sich heute- ganz harmonisch und geheimnisvoll- in ihr
Zimmer verzogen und eine Höhle gebaut… schön, wenn die Kinder so schön
gemeinsam spielen 😉 sich so gut verstehen…die Schokoflecken und
verklebten Hände verraten dann, dass sie sich auch mit ihren Schultüten
beschäftigt haben. Auch gut. War ja aus dem neu entdecktem Reformhaus (für
45$)!
Unsere Abende bestehen weiterhin darin Formulare auszufüllen… und unsere Kinder zu beschreiben, Erwartungen und Vorwissen einzuschätzen, Termine mit Kinderärzten zu ergattern etc. Auch sonst sind wir noch mit einiger Organisation beschäftigt. Eine exorbitant hohe Stromrechnung lässt uns gerade etwas aufschrecken. Ohne die Benutzung der Klimaanlage und trotz unserer Abwesenheit (wir waren im Ablesezeitraum erst eine Woche da… zuvor stand die Wohnung leer), kommt die Augustrechnung auf über 300$… wir werden gemeinsam mit der Wohnung im dritten Stock abgelesen und teilen pauschal… Das Paar über uns auch noch nicht so lange im Haus und eher zurückhaltend, von der Höhe ebenso überrascht wie wir. Woran das nur liegt? An den Bauarbeiten im Haus? (die sollen eigentlich auf die Wohnung im EG gehen). Gerade steigen die Zahlen am Zähler kontinuierlich weiter… wir versuchen mit Vormietern die Höhe einzuschätzen und Ursachen zu finden… um dann ggf. mögliche Quellen zu vermeiden. Also wieder viel E-mails, trickreiches Ablesen (Wieviel steigt der Zähler in der Nacht? Am Wochennde?). Ich mutiere gerade dazu alle Lichter auszuknipsen, Stecker zu ziehen und drohend Eiskugeln abzuziehen, wenn zu lange geduscht wird…

Und dennoch verbrauchen wir hier gerade so viel Strom wie in Wiesbaden in einem halben Jahr… Und das kann nicht nur am doppelflügeligen Kühlschrank mit eingebauter Eiswürfelproduktion liegen! Den haben wir wirklich! Dagegen ist der Staubsauger ein Produkt aus dem letzten Jahrhundert…er war mir ein Foto wert. Ansonsten benutz ich ihn eher wenig.

Statt dessen kehre und wische ich ständig, da wir leider als weitere Quelle für´s Gedankenkreisen festgestellt haben, dass bleihaltige Farben verwendet wurden. Das war hier früher üblich und ist nur dann gesundheitsschädlich, wenn die Farben abblättern oder abgeschliffen werden. Dann allerdings ist Blei hoch toxisch und darf nicht eingeatmet oder aufgenommen werden. Mit einem Baby Till, der gerade die Fortbewegung entdeckt und gern alles in den Mund nimmt… bzw. einfach Staub und Schmutz an den Fingern hat, wird das ganze ernst. Gerad im Kinderzimmer blättert die Türe und nun müssen wir darüber streichen. Das ist die Lösung erster Wahl. Hier wird jedes Kind jährlich mit einem Bluttest auf lead getestet… und bei steigenden Werten, muss man umziehen.

Ich erspare euch Details…aber ich bin eben zerrissen zwischen Sorge und Gelassenheit. Wie erst nehmen? Wie (hysterisch) reagieren? Was hilft wirklich? Vor uns haben hier die letzten Jahre immer Familien gelebt… auch der Vermieter selbst mit seinem Sohn…aber im Krabbel-alter? Till ist einfach genau im blöden Entdecker- und Lutschalter. Warum heute nicht in den Türrahmen beißen? Oder die spannende Farbe abpiddeln… aufheben?
Krabbeln??? Oh nein! Eine Woche stand es auf der Kippe… nun hat tatsächlich der uns bekannte Poschieber gewonnen und so schiebt, hüpft, bewegt er sich nun sitzend durch die Wohnung. Till sitzt gern an der gläsernen Eingangstür und patscht gegen die Scheiben… und am Liebsten nähert es sich seinen Schwestern und löst „Hilfe der Tilli kommt“…“Mama, der Till“ -Schreie aus!

Es gibt so viel zu berichten…ich hab schon ein Themenliste… aber für heut ist Schluss. Nur so viel noch. Wir haben eine sehr nette Berliner Familie kennengelernt. Friederike (Fee) ist eine Kollegin von Elias und wird von unseren Mädchen vergöttert… ihre dreijährige Tochter Hedda wiederum himmelt die großen Jeronmädchen an. Gemeinsam waren wir schon am singing beach (ein traumhafter Strand und gut mit dem Zug zu erreichen) und treffen uns zufällig auf Spielplätzen! Sie wohnen nicht weit. Auch zur Schulanfangsparty waren die drei (mit Papa Matthias) zu Dampfnudeln und Chips bei uns eingeladen. Das fühlt sich schon richtig vertraut an.
Hier noch am Strand:







Wir grüßen euch von Herzen und freuen uns so sehr über eure interessierte und stützende Begleitung! Gut um euch zu wissen in der Heimat!