Ja, der Anfang ist genommen und wir sind tatsächlich im Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ angekommen.
Der Flug war tatsächlich -dank medialer Unterstützung in Ordnung und schon fast kurzweilig… für uns Eltern wohl anstrengender, als für die Kinder. Till saß keine halbe Stunde in seinem Sitz… dafür später zur Landung Nora (–> Wutanfall bei Fritzi). Schon eine Kunst mit Baby auf dem Schoß, dem Kind neben sich beim Essensauspacken helfen, ohne selbst alles vom Tisch zu wischen oder gar das gesamte Tablett zu versenken.
Dank der Kinder und des sperrigen Doppel-Fahrradanhängers wurden wir bei der Einreise dann aber zu den Diplomaten geschleust und hatten tatsächlich einen lächelnden Grenzbeamten. Nur ein Gepäckstück wollte länger reisen und kam dann zwei Tage später privat mit dem Taxi zur Tür vorgefahren…
Die ersten Tage waren lang! Der Jet lag ließ uns ab zwei Uhr morgens im Wohnzimmer lego aufbauen… eigentlich eine schöne Stimmung…aufgeregt und vorfreudig auf das erste Licht und die Erkundung der Nachbarschaft wartend.
Nun haben wir uns Tag für Tag über halb vier- halb fünf- auf sagenumwobene sechs Uhr gehangelt.
Und spürbar kommt die Kraft und ich schaffe es erstmals an den PC und schlafe nicht mit den Kindern ein.
Die Wohnung ist wirklich schön…zwei kleine Zimmer und dazu der klassisch amerikanische Schnitt Küche-DiningRoom- LivingRoom…. Mit einem Balkon, den ich die nächsten Tage mal bepflanzen will.
Die ersten beiden Tage hab ich tütenweise Ramsch weggeschmissen- alte Lebensmittel und Spielzeugberge, die in Chaoskisten in den Regalen standen… (Die Wohnung ist zum dritten Mal für 1 Jahr vermietet…). Bei meiner Räumaktion haben wir aber auch ein paar Wunderbarkeiten gefunden: weinende Puppen, singende Puzzles, Glitzerstifte, Verkleidung und und und… nach diesem großem Putzbedürfnis legt sich der schwere, klebrige Geruch und es wird wirklich unsere Wohnung. Es hängen schon die ersten Kunstwerke an der Wand, Fotos und Erinnerungsbücher dazu… wir kennen die besten Verstecke und sitzen beim Frühstück auf Hochstühlen am Küchentresen.
Nur Tassen fehlen uns noch… und damit meine ich nicht die Halb-liter-Humpen, die gibt es hier. Aber aus denen trink ich nicht so gern. Luxusproblem!
Cambridge ist unglaublich schön. Vor allem so grün. In unserer Nachbarschaft haben alle Häuser Gärten. Die Häuser sind alle bunt angestrichen und aus Holz… mal etwas verkommen, abgeblättert mal sehr fein… an jedem Haus surrt die Klimaanlage. Die Gärten sind zum Teil wunderbar wild und blühend, dann wieder schlossähnlich angelegt… dazwischen so hohe Bäume, die eine Ahnung von der wilden Flora und Fauna geben, die hier sicher mal war. Es gibt unglaublich viele Parks und so viele großzügige und schöne Spielplätze. Wir geben den nächsten Boston-guide playgrounds raus.
Besonders: Wasserspielplätze! Wir ziehen nur noch mit Ersatzkleidern los…immer ein nasser Rock am Kinderwagen trocknend. Auch Till sitzt beglückt im sprudelnden Nass…und mir bleibt dann nix anderes übrig als daneben zu stehen…aber bei der Wärme auch angenehm. Überall Trinkbrunnen und an allen großen Straßen abgegrenzte und gut markierte Fahrradwege- man staune! Und ja, die Leute in Cambridge radeln- zumindest auch. Neben dir brettern dann halt dicke SUV`s oder gleich fette Trucks- die es doch eigentlich nur in Filmen zu geben scheint. Wir staunen ihnen immer noch mit offenem Mund nach. Genau wie der Feuerwehr, der Polizei oder den Krankenwagen… deren Sirenen uns erfreuen.
Seit heute haben wir alle Räder! Und so sind wir gleich um den nahe gelegenen See geradelt. Oh diese Freiheit! Dies ist zwar kein Badesee, sondern Trinkwasserspeicher…aber die Natur darum eine Pracht und Erholung. Weitere Seen dahinter haben wohl auch Strände… das finden wir noch raus.
Am Meeresstrand waren wir vorgestern- mit der U-Bahn! Die Bahnhöfe sind so heiß, die Bahn dagegen kühlklimatisiert…klappert und rostet, brüllt und wackelt…bringt einen aber direkt an den Atlantik!
Handgroße Muscheln und weicher Sand zum Bauen! Für einen Stadtstrand echt leer und wir sind sandbestreut und sonnengebräunt zurückgekommen.
Elias hat sich an der Uni registriert. Weitere Papierkram steht noch aus… sein Büro darf er erst Anfang September beziehen und auch die Schule geht am 3.9. los. So haben wir noch etwas gemeinsame Ankomm- Urlaubszeit. Der Harvard-Campus ist einladend und schön. Auf den Wiesen stehen bunte Stühle kreuz und quer, die zum setzen und aufhalten einladen. Fritzi hat heute ihren Sprachtest gemacht und wurde -surprise!- als english-beginner definiert und somit sind wir noch in die eigentlich volle und geschlossene Grundschule geschlüpft, die bei uns um die Ecke liegt (failed with success).
Auch Noras Kindergarten durften wir schon besuchen und wurden von der Leitung durch die beiden Räume geführt. Heimelig, klein und fröhlich chaotisch kommt er mir vor. Die Orga ist ansonsten Top…wir haben schon Elterndienste zugewiesen bekommen (wir sind die schneeschipper und Laubkehrer!- das kehren kenn ich ja von meiner Blü17 Hofpatenschaft!) und gemeinsame Kennlerntage werden organisiert. Nächste Tage bekommen wir einen Hausbesuch von den Erzieherinnen, damit sie Nora kennen lernen. Wahnsinn…nun ja, dafür zahlen wir ja auch gutes Geld.
Nora hat gesagt „hier bleibe ich für immer und ewig“…

Ja, dieses Land ist skurril und spannend.
Das Einkaufen bisher noch eine innere Zerreißprobe…Plastikwahnsinn und Preise, die mich auf ein Jahr trocken Brot mit Haferflocken blicken lassen (Butter für 8$!!!).
Aber es soll farmer markets geben und wir werden noch bessere Möglichkeiten finden.
Und sooooo schlimm ist es ja gar nicht…auf der Milchflasche steht immerhin, dass die Packung Milch enthält! Und auch unser Wasser ist
calorie free
sweetener free
caffeine free
hat noch nicht einmal Fett! Also, was haben wir doch für komische Vorurteile in unserem Kopf!
Die Kinder machen das echt gut. Verbalisieren beide ihre Vorfreude, ihren Neid, ihre Sehnsucht und Ängste… So lange sie das alles so gut spüren und ausdrücken können, bin ich entspannt und kann sie gut begleiten. Ich staune eher darüber, wie selbstverständlich und offen sie sich auf alles einlassen.
Bisher sind wir ständig zu fünft unterwegs…außer ein paar Einkäufen und Behördengängen von Elias… Das ist schön. Aber eben auch anstrengend. Mir bleibt kaum eine Minute- ohne Kinder am Ärmel… und die sind eben nicht immer harmonisch und friedlich. So schimpfe ich mehr als ich will… angetrieben durch meine eigenen Ungeduld und den Drang mal an den PC zu kommen, euch zu schreiben, mal Englisch zu lernen oder zu sprechen… aber das Jahr ist ja noch lang und die Kontakte kommen schon.
Till ist weiter eine Wonne. Ich hab ihm etwas die Haare geschnitten und jetzt schaut er frecher und jungenhafter aus. Er beginnt sich zu bewegen, zu robben…spielt auch mal für sich…aber am Liebsten ist er einfach an uns… auch das müßig.
Eben stand unsere kleine Nachbarin vor der Tür… Aria, vier Jahre alt. Sie war nun eine Woche mit ihren Eltern in Mexiko. Morgen geht’s noch zu Freunden nach Ohio…. So macht man das hier.
Die Kinder haben sich auf eine nette Art beschnuppert…gekichert und schon heimlich Süßigkeiten genascht… das kann also nett werden.
Für heut ist Schluss…auch wenn ich noch so viele Details zu berichten hab… bald mehr!
Ihr findet uns auch bei dem Messenger Dienst SIGNAL!!! kommt dazu!
Elias Judith Fritzi Nora Till


